.

Schweizer Gesetze, Rechte & Pflichten

Sich selbständig machen und eine Einzelfirma gründen

Von Suzane Brunner Zeltner

Wer sich am Anfang der Selbständigkeit befindet, ist meist unsicher, was es nebst dem Aufbau des Geschäftes und der eigentlichen Aufgabe alles zu tun gilt, um in der Schweiz offiziell als selbständig zu gelten und nicht in Konflikt mit den Behörden zu geraten.

Eins vorneweg: Es gibt wohl kein anderes Land, in dem man sich einfacher selbständig machen und eine Einzelfirma gründen kann, als in der Schweiz. Überhaupt ist die Schweizer Wirtschaft so erfolgreich, weil die grosse Mehrheit der Firmen in der Schweiz die Einzelfirmen ausmachen. Menschen, die mit eigenen Mitteln eine kleine Firma gründen und sich für ihre Sache einsetzen.

Ein wichtiger Punkt, welcher den wenigsten bewusst ist: Die Mikrounternehmen befinden sich in der Mehrzahl. Sie sind es, welche über Generationen die Schweiz zu dem gemacht haben, was sie heute ist.

Grosse Unternehmen haben zwar mehr Mittel und Manpower zur Verfügung. Flexibilität, Persönlichkeit und vor allem Qualität bedürfen jedoch viel mehr Aufwand und Anstrengung. In der Selbständigkeit ist Qualität eine Einstellung und keine Option. Die Schweiz ist so reich, weil die vielen Kleinunternehmen - einzeln und doch zusammen - mehr erwirtschaften als die wenigen Grossunternehmen.

Im Gespräch mit Michèle Grossert von Treuhand Atelier gehen wir den meistgestellten Fragen auf den Grund. Von der Anmeldung bei der AHV über den Handelsregistereintrag bis hin zur Nebenerwerbstätigkeit, den Finanzen, der Mehrwertsteuer und der Administration - diesen und weiteren praktischen Abläufen gehen wir nach und klären anhand einfacher Beispiele auf.

-
-

Auszüge der Fragen & Antworten aus dem Gespräch...

Du kannst in dem Augenblick anfangen, in dem du die Wahl triffst, selbständig zu werden. Sobald du etwas verkaufst, egal ob eine Dienstleistung oder Produkte, hast du mit der Selbständigkeit begonnen.

Ja, solange die Aufbauarbeit für deine eigene Selbständigkeit deine Anstellungsarbeit nicht so beansprucht, dass du zum Beispiel enorm übermüdet und unmotiviert zur Arbeit gehst und dort keinen guten Job mehr machst. Solange nichts explizit im Arbeitsvertrag steht, kannst du deiner Selbständigkeit mit gutem Gewissen nachgehen, vor allem wenn sie deinen Arbeitgeber nicht konkurriert. Am Angestellten-Arbeitsplatz für deine Selbständigkeit zu arbeiten, ist ein absolutes No-Go. Wie du allerdings deine Freizeit gestaltest, ist dir überlassen.

Solange nichts im Arbeitsvertrag vermerkt ist, brauchst du deinen Arbeitgeber nicht darüber zu informieren.

Alles was du neben deinem Haupterwerb machst, gilt als Nebenerwerb. Wenn du bereits eine 100 %-Stelle hast und trotzdem zum Beispiel ein 10-20 %-Mandat, -Pensum o.ä. ausserhalb deines Haupterwerbes annehmen willst, kannst du das machen. Vorausgesetzt, es konkurriert und stört die Anstellung deines Haupterwerbes nicht. Schau am besten in deinem Arbeitsvertrag nach.

Bei einer Anstellung funktioniert es wie bei deinem Haupterwerb. Du erhältst einen weiteren Lohnausweis für die Steuererklärung und die AHV wird über deinen zweiten Auftraggeber abgerechnet.

Wenn du jedoch mit deinem eigenen Projekt Dienstleistungen oder Produkte verkaufst und dafür Rechnung stellst, musst du den Mindesttarif von CHF 480.- bezahlen, bis du einen Gewinn von CHF 9'400.- aufweist. Dann erhöht sich der AHV-Betrag gemäss AHV-Beitragstabelle.

Grundsätzlich hast du dich also für jegliche Nebenerwerbstätigkeit, welche du auf eigene Rechnung betreibst, bei der AHV anzumelden.

Die AHV prüft anhand der eingereichten Unterlagen, ob du wirklich als selbständig giltst. Wenn du zum Beispiel nur einen Auftraggeber hast, wirst du kaum eine AHV-Nummer erhalten. Sobald deine Idee und dein Angebot verschiedene Kunden anspricht und du somit mehrere Käufer respektive Klienten aufweisen kannst, wirst du eine eigene AHV-Nummer erhalten.

Einzureichende Unterlagen: bereits verrechnete Rechnungen, eine Website, Prospekte, Flyer, Investitionsunterlagen, allfällige Mietkosten für Räume, ein eventueller Handelsregistereintrag etc.. Einfach ein schönes Päckli, welches vorweist, dass du deine Selbständigkeit auch wirklich gestartet hast und sehr daran interessiert bist, sie weiter aufzubauen. Es gibt in diesem Sinne kein Richtig oder Falsch, Gut oder Schlecht. Geprüft wird, ob es dir mit deiner Selbständigkeit wirklich ernst ist. Die AHV will damit prüfen, ob es sich auch wirklich lohnt, eine Nummer freizugeben.
Du darfst dein Vorstellungspäckli also freudig zusammenstellen. Deine Absicht wird ankommen, wenn es dir ernst ist.

Es ist übrigens eine Pflicht für Unternehmen, selber zu überprüfen, ob Freelancer auch wirklich selber abrechnen und über eine eigene AHV-Abrechnungsnummer verfügen.

Hier gibt es keine Regelung. So lange wie man möchte und beim Arbeitgeber weiterhin gute Arbeit abliefert.

Die Einzelfirma ist die einfachste und am häufigsten gegründete Geschäftsform. Dem Steueramt weist du eine Auflistung deiner Einnahmen und Ausgaben vor. Du brauchst keine Buchhaltung vorzuweisen.  Einzig zwingend ist die Abklärung bei der AHV wegen einer eigenen AHV-Abrechnungsnummer.

Der Eintrag im Handelsregisteramt ist nicht zwingend. In gewissen Branchen bekommst du mit der Registrierung bessere Einkaufskonditionen oder Einlass bei einem Grossisten, wie zum Beispiel der Blumenbörse. Auch wenn du keinen Eintrag hast, giltst du trotzdem als Einzelfirma.

Unterschrift auf der Gemeinde respektive dem Notariat beglaubigen lassen und anmelden. Die Kosten für die Beglaubigung betragen ca. CHF 40.-, die Anmeldung beim Amt für eine Einzelfirma CHF 120.- und für eine Kollektivgesellschaft CHF 240.- (Stand 2014).

Link aller Handelsregisterämter: www.handelsregisteramt.ch

Mindestens zwei Privatpersonen, die sich geschäftlich zusammentun, jedoch keine GmbH oder AG gründen möchten. Sie haften mit ihrem Privatvermögen. Wie bei der Einzelfirma erhält jeder Mitwirkende eine eigene AHV-Abrechnungsnummer, jedoch melden sie sich gemeinsam bei der SVA/AHV ihres Kantons an.

Die Gesellschafter legen schriftlich fest, wer zu wie viel Prozent an der Kollektivgesellschaft beteiligt ist. Sie versteuern die Gewinne nach festgelegter Vereinbarung; bei Kollektivgesellschaften beträgt die Aufteilung meist 50/50. Dieser Vertrag kann in ganz einfacher Form geschrieben werden - es reicht auch, diesen als internes Papier abzulegen. Wie bei der Gründung der Einzelfirma braucht es auch zur Gründung einer Kollektivgesellschaft keinen Notar.

Bis im Juni 2016 waren die Namen der Gesellschafter zwingender Bestandteil des Firmennamens. Seit Juli 2016 hat sich das Gesetz geändert, und der Firmennamen von Kollektivgesellschaften muss neu mit der Bezeichnung «KlG» ergänzt werden. Die Ergänzung des Firmennamens mit den Nachnamen aller Gesellschafter ist nicht mehr nötig und kann nun frei gewählt werden.

Du kannst deine Firma so nennen wie du willst, es gibt keine Einschränkung. Allerdings hat dein Nachname zwingend Teil  des Firmennamens zu sein.

Die Anmeldung bei der AHV und, falls es in deiner Branche gängig ist, der Eintrag ins Handelsregister, welcher aber nicht zwingend ist.

Grundsätzlich kann das jeder selber machen. Jeder Kanton hat eine AHV-Ausgleichskasse, wo man die AHV-Anmeldung einreichen kann. Die entsprechenden Formulare sind online zu finden.

Link mit der Übersicht der kantonalen Ausgleichskassen:

www.koordination.ch/de/online-handbuch/ahvg/organisation/adressen-ak/kantonale-ak/

Ordnung schafft Klarheit und Sicherheit.