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Das Berufungsprinzip

Die Berufungsformel für deine einmalige und einzigartige Berufung

von Suzane Brunner Zeltner

Lange war das Wort Berufung für mich an etwas Religiöses gekoppelt. «Sich von Gott berufen fühlen», damit konnte nur ein Pfarrer oder Missionar gemeint sein.

Auch wenn ich sehr gläubig aufgewachsen bin, tauge ich weder zur Pfarrerin noch zur Missionarin, obschon ich mit einem Pfarrerssohn verheiratet bin und meine Grosseltern seinerzeit als Missionare in Peru tätig waren. Was wiederum erklärt, warum ich, als geborene Brunner, eher wie «die mit den Bäumen spricht» ausschaue.

Wenn ich heute an Religion oder Glauben denke, dann taucht unmittelbar das Wort Schuld auf. «Sich schuldig fühlen», «andere beschuldigen», «schuldig sein», «du bist schuld», «entschuldigen» - unglaublich, wie dieses Wort in unserem täglichen Gebrauch x-fach im Einsatz ist und wie gottlos es sich anfühlt. Es beginnt bei den Kleinsten mit «du bist schuld, ich bin nicht schuld».

Eigentlich wollte ich gar nicht so tief in die christliche Glaubensform eintauchen. Ich wollte über die Berufung schreiben. Aber anscheinend ist jetzt die Zeit reif, vorerst einen kleinen Umweg zu machen, um den Kreis mitsamt seinem Zauber schlussendlich bei der Berufung schliessen zu können.

Eines vorneweg. Ich gehöre keiner kirchlichen Institution (mehr) an.  Auch folge ich keinem anderen Guru. Ich lebe meine eigene Spiritualität und diese basiert auf meinen eigenen Erfahrungen. Liebe und Freiheit sind das oberste Gebot. Ich gebe mein Bestmöglichstes, meine Mitmenschen so zu behandeln, wie ich behandelt werden will. Natürlich gelingt mir das nicht immer.

Ich will lernen und ich will meine Erfahrungen selber machen, und nicht nachplappern, was andere sagen. Irgendwann möchte ich als alte weise Frau dieses Leben dankbar verlassen. Vorher will ich es jedoch in vollen Zügen geniessen, gestalten und mir reinziehen.

Religion, Kirche, Glauben. Nach wie vor ein grosses Thema. Da sprechen sie von Liebe, und richten im gleichen Zug Andersgläubige. Grund für den Religionskrieg weltweit: Wer liegt richtig, wer liegt falsch. Und ich meine jetzt nicht den Religionskrieg zwischen den Christen und den Moslems. Nein, ich meine den Christenkuchen selbst. «Die sind nicht wirklich christlich, wir sind es.»

Ich habe mich schon ein paarmal gefragt, wer noch in der Kirche wäre, wenn er oder sie die Gewissheit hätte, dass es keine Hölle gibt? Nicht lachen. Es ist mein voller Ernst. Es gibt noch so viele Menschen, die Angst vor der Hölle und dem ewigen Fegefeuer haben. Und wer Angst hat, ist ein Gefangener seiner eigenen Emotionen und inneren Dämonen. Alles, was wir unter einem Angstdruck tun, tun wir aus einem Verteidigungsmodus. Sich verteidigen und rechtfertigen zu müssen ist mehr als anstrengend.

Was wäre, wenn das «Leben die Hölle ist», wenn wir nicht DAS leben, was wir tief in unserem Inneren fühlen und wirklich tun wollen, aber eben doch nicht tun? 

Ist dieses innere Zerrissen-Sein nicht höllisch genug? Nicht zu wissen, wohin wir hier auf Erden gehören, uns unerwünscht, nicht-willkommen und ungebraucht zu fühlen. Am falschen Ort zu sein, weil wir gelernt haben, eine Maske zu tragen und so zu tun, wie wir glauben, wir müssten sein, obwohl es uns dieses Getue im Grunde anwidert?

Kann ein Gott, der den «freien Willen» geschenkt hat und die Macht hat, Leben zu erzeugen, uns wirklich bestrafen wollen, wenn wir etwas «falsch» gemacht haben, und uns als Folge in der «Hölle schmoren» lassen? Reicht es nicht, wenn sich der Schmerz meldet und wir uns der Konsequenz unseres Verhaltens bewusst werden? Ist Gott wirklich ein strafender Gott?

Würden wir als Eltern unsere Kinder, nach dem sie hingefallen sind und offene Wunden haben, noch an den Haaren ziehen und sie in einen dunklen Keller sperren? Nein. Wir wollen für sie da sein, sie umarmen und trösten. Ihnen ein Lied singen und mit ihnen warten, bis der Schmerz vorüber ist. Ich als Mutter weiss dann, das nächste Mal wird das Kind achtsamer um die Ecke fahren, denn es hat seine Erfahrung gemacht. Je nach Charakter braucht es einige «Hinfaller» mehr, egal, auch dann werde ich erneut mein Kind umarmen, es trösten und da sein, bis der Schmerz vorbei geht.

Und genau aus diesen Gedankengängen heraus glaube ich nicht mehr an einen strafenden Gott.  Und ich glaube auch nicht an das Nichts nach dem Tod oder an etwas Besseres als hier auf Erden wie das Paradies, das nur wenigen Auserwählten und Gläubigen gegönnt sein soll.

Wenn es also eine Allmacht gibt, welche diesen Planeten mitsamt seinen Bewohnern erschaffen hat, dann war dieses «Es» sich der erschaffenden Polarität bestimmt bewusst gewesen. Was wenn die Polarität bewusst geplant war? Wie Nord- und Südpol auf einer Achse, einfach jeweils am anderen Ende? Beide sind Pole. Vielleicht hat «Es» beide Seiten erschaffen, also Gut UND Böse, Mann UND Frau, Sonne UND Mond, und damit die Möglichkeit, mit dem Feld der Polarität und unserem erhaltenen freien Willen unsere eigenen Erfahrungen zu machen und eigenen Erkenntnisse zu ziehen? Oder braucht Gott Likers, Fans oder Followers um sich famous, welcome und VIP bzw. VIG zu fühlen?

Wenn wir nur ein bisschen das zeitliche Geschehensrad zurückdrehen, werden wir schnell erkennen können, dass was einmal böse war, irgendwann als normal bis hin zu gut deklariert wurde. Oder wie sich Gutes und Richtiges in ein absolutes No-Go wandelte.  Alles ist eine Frage der Perspektive, der Epoche und der Umstände sowie der Intensität, wie wir eine Situation einst bewerteten, heute bewerten und irgendwann bewerten werden.

Das nennt man wohl das Rad des Lebens, welches sich dreht und dreht und weiterhin drehen wird. So, wie sich der Mond und die Sonne, die Jahreszeiten, Ebbe und Flut zyklisch und rhythmisch abwechseln, um wiederzukehren. Da ich mit meinen Jährchen nicht mal ein «Muggenfurz» einer Staubmilbe in der universalen Zeitrechnung bin, kann ich nicht sagen, wie lange sich dieses Rad schon dreht. Unvorstellbar unendlich lang halt.

Und somit werden wir in jeder noch so schrecklichen Situation irgendwann etwas Gutes erkennen können, genauso wie jedes Gute ebenfalls sein Schlechtes bzw. seinen Preis hat.

Wenn wir uns also auf den bewussten Berufungspfad begeben wollen, sei es, weil uns die Sinnhaftigkeit fehlt, wir trotz eines fetten Bankkontos unerfüllt sind oder uns eine innere Sehnsucht im Aussen erfolglos nach dem Glück suchen lässt, dann beginnt der erste Schritt bei uns und unserem bisherig gelebten Leben.

Auf der einen Seite finden wir unsere Freuden, Wünsche, Vorlieben, Talente und Interessen, also die ganze Palette unserer Sonnenseite.

Auf der anderen Seite hingegen, wie könnte es anders ein, befindet sich unsere Schattenseite. Alles was wir verdrängen, von uns schieben, verleugnen, verheimlichen oder uns einreden, vergessen zu haben, weil wir nicht mehr aushalten und fühlen wollen, was einst geschehen ist.

Da sind also zwei Seiten. Liegen wir übermässig lange an der Sonne, verbrennen wir uns - wie dankbar sind wir in diesem Moment um den Schatten. Halten wir uns übermässig lange im Schatten auf, verkümmern wir. Zuviel Zucker ist genauso grüslig wie zuviel Salz. Zuviel oder zuwenig ist einfach zuviel oder zuwenig, egal wovon. Diese Regel gilt für alles. Wirklich ALLES. Eine Regel ohne Ausnahme – ausnahmsweise. Nicht umsonst sagt man stattdessen «die goldene Mitte». Wenn links und rechts zusammen kommen, gemeinsam feiern, schaffen, lieben oder sich vermählen, entsteht  etwas Neues: Eigenes und Lebendiges.

Was heissen will: Wer seinen Berufungspfad bewusst gehen will, hat sich seiner gesamten Lebensgeschichte zu widmen und alle Stationen aufzurollen. Dabei kommen wir nicht drum herum, uns auch um unsere Schattentäler zu kümmern. Wenn wir es schaffen, Schritt für Schritt unseren inneren Frieden in unseren schmerzhaften Erfahrungen zu finden, und wir uns selbst für unser Lern- respektive Fehlverhalten lieben können, wandelt sich Schuld und Schmerz in einen wertvollen ErfahrungsWERT. Werden wir uns bewusst, was der Sinn und Dienst der schmerzhaften Erfahrung war, wird irgendwann sogar Dankbarkeit einkehren, und mit der Dankbarkeit Heilung in unserem Innern.

Ist Heilung eingekehrt, ist nur noch Liebe da. Und wo Liebe ist, findet Ver-EINIGUNG statt. Wenn aus Einem Zwei werden, entsteht natürlicherweise ein neues Drittes.

Kommen wir zurück zum Thema Berufung. Jeder Mensch hat eine Berufung. Wenn ich heute an etwas glaube, dann an Folgendes: Jeder Mensch hat einen Sinn und ist da, um seinen Sinn zu erfüllen. Dabei braucht er nicht jemand anderes zu sein, als er oder sie ist. Er ist, wie er ist, vollkommen. Schwer zu glauben und anzunehmen, bei all diesen vielen komischen Menschen, die uns umgeben. Kein Wunder, wer glaubt schon, dass er oder sie selbst vollkommen ist und nichts anderes zu sein hat, als er oder sie ist? Und wenn jemand das über sich selbst nicht glaubt, wie sollen denn andere diese Vollkommenheit in einem erkennen können? Erst wenn ich mit mir geduldig bin, kann ich geduldig mit anderen sein. Erst wenn ich mir vertraue, kann ich anderen vertrauen, erst wenn ich mich achte und respektiere, kann ich all das meinem Gegenüber schenken. So kann ich zwar noch nicht die Welt retten, jedoch mehr und mehr meine inneren Kämpfe ablegen. Unterdessen reicht es mir vollkommen, wenn ich für mich Geduld aufbringen kann, in mir Vertrauen finde und ich mich selbst nähren kann. Indem ich zu mir schaue und meine Essenz lebe, erfolgt mein Beitrag an das grosse Ganze auf natürliche Art und Weise. Ich finde sogar inneren Frieden auf meinem Weg. Frieden, welcher nicht von aussen aufgestülpt oder künstlich befohlen werden kann, sondern schlicht und einfach Frieden, der von innen heraus kommt und wächst. Und je mehr Frieden, Freude und Liebe ich unabhängig von aussen in mir erzeugen kann, desto mehr lebe ich, was ich bin, was ich wirklich bin.

Ob es einen Schicksalsweg oder Zufälle gibt? Wenn wir unsere Berufung leben wollen, dann gibt es bestimmt eine natürliche Reihenfolge von Schritten, welche eingehalten werden muss. Welche Richtung wir wählen, spielt wahrscheinlich kaum eine Rolle. Wichtig ist jedoch, dass wir auf den einzelnen Schritten aufbauen und nicht jumpen, weil wir Schritte auslassen oder abkürzen wollen. Wenn wir sämtliche Schritte gehen und TUN was im Moment gerade angesagt ist, lässt uns das Leben Menschen, Situationen, Chancen, Aufgaben, Umstände etc. z-u-f-a-l-l-e-n, welche unseren Berufungspfad bereichern und uns weiterbringen. Wir befinden uns dann in unserem Flow, und unser Weg wird von Musen und Engeln begleitet. Fügungen finden genau zum richtigen Zeitpunkt statt, Bekanntschaften ergeben sich einfach, jemand  bringt mir ein Puzzlesteinchen vorbei, das ich schon lange gesucht habe, oder die Leute finden zu mir, denen ich genau das geben kann, was ich habe, was mir selbst Spass macht und was ich einfach und gerne geben kann.

Seine Berufung finden ist ein Weg. Und die Berufung ist keine Idee, die ich ausserhalb von mir finden kann. Die Berufung offenbart sich mir, wenn die Zeit reif ist.

Wegweiser auf meinem Berufungsweg sind Freude, Dankbarkeit, Hingabe, Kreativität, Mut und Ehrlichkeit. 
Wenn ich Freude beim Tun empfinde, dann kann der Wert meines Tuns nur wertvoll sein. 
Wenn Dankbarkeit bei meinem Tun aufkommt, dann komme ich meiner Seele ganz nah, weil ich einfach tue, was zu tun ich liebe.

Wenn ich mich hingebe und den Mut habe, auf das Leben zu vertrauen, ohne zu wissen, was mich erwartet, ohne dass ich bereits für jeden Schritt einen Plan habe - wenn ich es trotzdem einmal versuche und wage, werde ich Menschen, Situationen und Möglichkeiten begegnen, die mir sonst nie begegnet wären.

Wenn ich mich der Kreativität öffne, dann beginne ich zu spielen, lasse es fliessen und werde entzückt sein über das Resultat. Und nur noch staunen, dass ich bei diesem Kreativprozess meinen Beitrag geleistet habe.

Wenn ich mutig bin, dann wächst mein inneres Vertrauen, da können andere noch so der Meinung sein, ich spinne, für mich stimmts. Und je mehr mein Vertrauen wächst, desto weniger Menschen wird es geben, dich mich in Frage stellen, weil ich mir meiner Selbst sicher bin.

Wenn ich wirklich ehrlich bin, werde ich ein wahrhaftiges Leben führen. Meine Wahrheit wird akzeptiert werden und ich kann anderen ihre Wahrheit lassen.

Summa Summarum: Der Weg der Berufung ist ein Weg zu dir selbst. Lebe dein GANZES Sein, in dem du TUST, was dein Herz begehrt, so lange es dein Herz berührt. Reflektiere deine Taten, Gedanken und Worte und erkenne, was dir dienlich ist und was nicht. Richte dabei nicht, sondern erkenne, was du aus jeder Begegnung und Erfahrung lernen konntest und mitnehmen willst. Wandle um in Frieden, wo du Unfrieden hast. Entdecke dich, entwickle dich, lerne dich und dein Wesen kennen. Deine Berufung wird sich dir offenbaren. Ganz natürlich, weil sie will, dass du sie lebst.

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