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Die 7 natürlichen Aufbauphasen

in der Selbständigkeit

 

Von Suzane Brunner Zeltner

Illustrationen Siân Spenger

Es gibt keine Arbeitsstelle, die mich so lange gehalten und fasziniert hat wie meine eigene Selbständigkeit. Sie lässt mir Raum, das zu tun und es auf die Art zu tun, wie es zu mir passt. Diesen Luxus schätze ich sehr. Der Preis für diesen Luxus: Ich habe die volle Verantwortung für mein Leben übernommen. Manchmal ist das echt anstrengend. Eine der grössten Herausforderungen ist es, immer wieder zu mir selbst zu stehen und mich für mich einzusetzen.

Wenn ich also eine Idee habe, dann habe ICH sie umzusetzen. Andere Menschen in meine Pläne zu involvieren, die dann das oder jenes machen müssten und sollten, damit war irgendwann Schluss. Denn diese Ideen blieben Träume. Und ich wollte nicht einfach nur Luftschlösser bauen, ich wollte meine Ideen wahr werden lassen. Ich lernte, eine Idee nach der anderen umzusetzen. Schritt für Schritt, und das langsamer als mir lieb war. Wenn ich etwas nicht konnte, lernte ich es. Ich  lernte Dinge, die wollte ich gar nie lernen. Und doch gehörten sie zu meinem Weg und liessen mich Projekte durchziehen und in der Realität manifestieren.
Bei diesem Lernprozess lernte ich, was es an Einsatz alles braucht, damit ein Projekt Früchte tragen und längerfristig bestehen und wachsen konnte. Dass andere meine Idee für unmöglich hielten, spielte irgendwann keine Rolle mehr, denn ich hielt durch, machte weiter und machte sie möglich. Und ich lerne weiter, jeden Tag.

Seit 2009 begleite ich Menschen mit praktischen Marketingmassnahmen und professionellem Coaching in und durch ihre Selbständigkeit.

Gerne möchte ich hier meine Beobachtungen der «7 Aufbauphasen in der Selbständigkeit» mit euch teilen. Denn egal um welche Branche es sich handelt, alle Selbständigen passieren in ihrem Tempo diese Phasen, bis sich der Kreis mit der 7. Phase schliesst, um dann wieder mit einer neuen 7-Phasen-Runde zu beginnen. Das Leben geht stetig seinen Weg - immer. So wie die Sonne jeden Morgen aufgeht, ob uns danach ist oder nicht.

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1. Phase: Deine Wahl zur Selbständigkeit

Bleib bei deinem Herzensprojekt.

Meistens steht vor dieser Wahl ein grosser Leidensdruck. Du machst nicht das, was du wirklich gerne tust. Deine Arbeit langweilt dich und du nörgelst dich durch den Alltag. Das Wort «Wertschätzung» ist dir fremd. Deine Fähigkeiten verkümmern und dein Potenzial ist gefangen, anstatt sich frei zu entfalten.

Vielleicht willst du den Sinn und das Ziel deines Arbeitgebers nicht mehr mittragen und unterstützen, weil es zu sehr von deinen eigenen Werten abweicht. Wahrscheinlich hast du schon 1 Million Mal gedacht: Wenn das mein Geschäft wäre, würde ich es anders machen.

Oder es war dir schon immer klar, dass du dein eigener Chef sein und dein eigenes Ding durchziehen willst.

Jetzt ist die Zeit da, um damit zu beginnen und dich auf deinen unbekannten Weg zu begeben. Dahin, wo dich dein Herz führt. Los geht's, es gibt viel zu tun!

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2. Phase: Dein Können - dein Angebot

Erfahrungen sammeln und strukturieren.

Werde konkret und nehme Papier und Stift hervor. Schaffe dir einen Überblick darüber, was du kannst und was du zu bieten hast. Es gilt ein Angebot auszuarbeiten, ein Menu zu komponieren. Eine Kreation, die dir selber schmeckt und auch dein Herz berauscht.

Liste alle deine Stationen auf, die Schönen und Unschönen. Was ist das Gute, das du aus diesen Situationen ziehen kannst? Irgendwann macht ja bekanntlich alles Sinn. Was fiel dir leicht? Schreibe es auf. Welche Fähigkeiten beherrscht du gut und machen dir Spass? Werde dir deiner Kompetenzen bewusst. Du wirst über dich selbst staunen.

Notiere dir auch deine Schwächen, denn auch sie wollen und können irgendwann in eine Stärke umgewandelt werden. Das nennt man einen natürlichen Wachstumsprozess.

Welchen Wert erschaffst du mit deinem Angebot? Welche Werte sind dir wichtig? Wem dient dein Angebot? Wem könnte dein Menu schmecken? Mach so lange weiter, bis du davon satt wirst, dich gut genährt fühlst und es dich zur dritten Phase zieht.

Du kannst diesen Prozess natürlich auch auf dem Computer machen. Wenn du jedoch mit materiellen Mitteln, Farben und Formen arbeitest, gewinnt das Projekt an Kraft und ist nicht einfach nur ein virtuelles Dokument wie so viele andere. Nimm dir Zeit dafür und gib dich diesem Prozess hin. Du tust es für dich.

Diese Energie ist dein Treibstoff, um dranzubleiben, weiterzumachen und klar und kraftvoll in die 3. Phase zu gelangen.

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3. Phase: Werde sichtbar und zeige dich

Auf den Schauplatz mit dir.

Wenn du dir über dein Angebot im Klaren bist, alles (Mittel, Know-How und Herz) beisammen hast, dann wird es Zeit, die Welt darüber zu informieren. Wie sonst finden die Kunden zu dir? Wenn niemand davon weiss, kann auch niemand dein Menu geniessen. Und da du in der 2. Phase all deine Erfahrungsschätze gesammelt hast, hast du wahrscheinlich auch alles, was du brauchst, um dein Menu eigenständig zu kochen, denn sonst wärst du nicht mit einem guten Gefühl in die 3. Phase übergegangen.

Es gibt viele Informationskanäle und Wege, auf sich aufmerksam zu machen. Nicht jede Kommunikationsart ist jedermanns Sache. Finde eine dir angenehme Art zu informieren. Mündlich oder schriftlich, was dir lieber ist. Hauptsache du sendest klare Signale.

Die erste Grossinvestition (finanziell oder durch Eigenleistung) erfolgt, in dem du dir für dein Angebot ein schönes Kleid nähst oder nähen lässt. Dieses Kleid sollte unbedingt zu dir passen, du sollst dich darin wohlfühlen und es soll dir bequem sein. Eines der wichtigsten Kommunikationsmittel heutzutage ist eine Website, denn mit ihr bist du von überall her besuchbar. Wenn du also ein Kompromiss-Logo oder eine Kompromiss-Website hast, wird es dir schwerer fallen, auf dich aufmerksam zu machen und mit deinem Angebot hinzustehen. In der Selbständigkeit hat es definitiv keinen Platz für Kompromisse; du kannst es dir kaum leisten, mit Ausreden und Erklärungen dein Projekt zu starten.

Erst wenn du mit deiner Kleide vollumfänglich happy bist, wirst du dich auch bei deinen Auftritten wohlfühlen. Sei es dir wert.

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4. Phase: Kommunikation und Werbung

Auftreten, vorstellen, auf sich aufmerksam machen und positionieren.

Wie bringst du die Menschen dazu, bei dir einzukaufen, Ware zu beziehen oder eine Dienstleistung zu buchen?

Spätestens hier beginnt der einsamste Teil des eingeschlagenen Weges der Selbständigkeit. Diese Arbeit kann dir niemand abnehmen. Diese Arbeit kann nur jeder für sich selber machen. Und es führt kein Weg daran vorbei.

Kreatives Aktiv-Werden ist angesagt. Einmal mehr mutig zu dir stehen, dich für dich selbst einsetzen und deine persönlichen Meinungen und Ansichten offen kundtun. Wenn nicht du, wer dann?

Ergreife jede noch so kleine Möglichkeit, die dir das Leben bietet, um über dein Projekt, deine Passion zu berichten. Für wen es ein Mehrwert ist und warum du selbst es als so toll und wertvoll erachtest. Diese Begeisterung ist der Duft, den du versprühen kannst. Du brauchst dich nicht zu verkaufen, das kommt meist verkrampft und selten flockig daher. Verbinde dich immer wieder mit der Liebe und Freude, die du für dein Tun empfindest - dann kommt's immer besser und die ersten Interessenten können zu dir finden.

Durch das ständige Pflegen, Hegen, Dekorieren und Lieben deines «angelegten Gartens» stärkst du deine Beziehung zu deinem Projekt. Und du hast genug Gesprächsstoff.

Auch kannst du Fachwissen und Erfahrungen so bereitstellen, dass du dich in deinem gewünschten Umfeld als Experte positionieren kannst und gerade deswegen gesucht und gefunden wirst.

Kommuniziere aktiv. Übernehme das Steuer auf deinem Schiff. Du bist der Kapitän.

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5. Phase: Säen und reifen lassen

Ursache - Wirkung. Geben - nehmen. Investierst du - gewinnst du.

Die Kraft der Natur wirkt durch alles. Durch jeden Menschen, jedes Tier, jede Blume, jedes System und jedes Projekt. Die Aufgabe dieser Naturkraft, auch Lebenskraft genannt, ist unaufhaltsam und berührt und bewegt Tag für Tag alles, was sich in ihr aufhält.

Wenn du also bei deinem Projekt bleibst und deine gesäten Samen nährst und liebst, dann werden sie wachsen, gedeihen, erblühen und Früchte tragen. Du wirst ernten können. Das ist ein natürliches Lebensprinzip.

In der Selbständigkeit heisst dies, eigenveranwortlich und beständig bei deinem Projekt zu bleiben. Dich in Geduld üben und darauf vertrauen, dass du ernten wirst, weil du gesät, gegeben, investiert und geliebt hast. Alles kommt irgendwann zurück zu dir.

Die Bestätigung dafür findest du in den Jahreszeiten: Im Frühling spriessen die neuen Triebe. Alles blüht und vermehrt sich im Rausch der Frühlingsgefühle. Im Sommer reifen die Blüten zu Früchten, die im Herbst geerntet werden können. Im Winter versinkt die Natur in den Schlaf, erholt sich und sammelt Kräfte für einen neuen Zyklus. Eigentlich ist alles ganz einfach, logisch und vor allem natürlich.

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6. Phase: Die Ernte ist da

Deine Früchte sind reif und nahrhaft.

Plötzlich sind sie da, die reifen Früchte. Du bekommst deinen Lohn, weil du dabei geblieben bist. Plötzlich wirst du wahrgenommen, gefunden und für dein Wirken und Werken gebucht.

Während du bis zu diesem Punkt alleine für dich im stillen Kämmerchen gearbeitet hast, bekommst du nun konkrete Aufträge. Plötzlich steht der Preis nicht mehr im Vordergrund, denn deinen Kunden ist es wichtig, dass du für sie arbeitest. Sie haben deinen Wert erkannt. Auch weil du ihn selbst erkannt hast.

Nun sind dein Projekt und du zu einem ertragreichen Baum verschmolzen. Du kannst deine Früchte verteilen. Das, was du zu geben hast, auch geben zu können, ist für dich selbst ein grosses Geschenk. Du selbst bist dein Sinn. Du lebst deine Natur.

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7. Phase: Geniessen und Erholen

Reflektieren. Neuausrichten. Planen.

Es läuft. Dein Wirken spricht für sich. Deine Kunden bringen dir neue Kunden. Die wertvolle Mund-zu-Mund-Propaganda läuft ohne einen Effort deinerseits. Das ist nach all deinen Investitionen wie Ferien und Lebensluxus pur.

Du bleibst bei dir und die Menschen nehmen sogar den Weg zu dir auf, weil sie wissen, dass sich die Reise lohnt.

Diese 7. Phase kannst du solange geniessen, wie sie dir Spass macht und dir deine Arbeit und deine Kundschaft Freude bereiten. Solange dich dein Wirken und Sein glücklich und zufrieden macht. Die Bestätigung dafür bekommst du auch in Form von sehr gut bezahlten Aufträgen, oder du erkennst es am höheren Absatz.

Deine Investitionen der ersten fünf Phasen zahlen sich aus, und mehr als das. Sie bringen dir zurück, was du einst gegeben hast.

Und irgendwann einmal... zeigt sich der Wunsch nach einer Veränderung. Auch das ist natürlich. Vielleicht wird das Feld zu klein, die Umstände ändern sich oder deine Freude flaut langsam ab. Dann wird es Zeit, eine neue Phasenrunde einzuleiten, damit deine Liebe für dein Tun zurückkehren kann. Nun hast du jedoch die Erfahrung, dass es funktioniert, und du weisst, wie lohnenswert die Herzensarbeit ist.

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Tat um Tat - und du wirst ernten.